Eingedenk

Geschichte mit Fisch

Geschrieben am 24.01.2007, 11.30 Uhr
Kommentare:  3 | Tags: fisch geschichte schlips

Wie ich zum Schlips wurde - ein wundersames Abenteuer mit allem was eine gelungene Geschichte braucht: Strand, Gebirge und Käse.

Und es begab sich, dass ich mich am Strand wiederfand. Unendlich entspannt ließ ich mir die Sonne auf meinen Waschbettbrauch scheinen und die Finger lässig durch den weißen weichen Sand gleiten, neben mir mein flauschiges Handtuch, das zum Trocknen über der Liegenlehne im Wind baumelte. Es war so still wie es in Erstsemestervorlesungen von Informatikern nicht ist, nur das gemächliche Wellenrauschen und ein leises Windsäuseln täuschten über das grandiose Getöse hinweg, das sich etwa drei Kilometer von mir entfernt auf offenem Meer gebärdete und im Affenzahn auf den Strand zustieb.

Eine Wand aus Wasser türmte sich auf als der Meeresboden sich aus der Tiefe hob und zog zunächst das seichte Strandgeplätscher ab. Geistesgegenwärtig bemerkte ich das noch entfernte Spektakel und suchte den Regenschirm aus meinem Rucksack.

Als ich den Blick wieder hob, weil ich den Schirm gefunden hatte, war die Wasserwand schon da, wo vorher die kleinen Windwellen brandeten, und türmte sich so hoch, wie es letztere nicht tun. Ich erstarrte kurz und die Wasserwand tat es mir zum großen Verwundern der anwesenden Naturgesetze gleich.

Von einer plötzlichen Hitzewelle motiviert verdampfte die riesige Wasserwand dahin und hinterließ einige verdutzte Meerestiere in der Luft, die hingen, wie unbefestigte Kieselsteine es nicht tun. Allerlei Getümmel war da plötzlich über dem leeren Ufer. Zwischen possierlichen Guppys, Lamellenschwärmen und Killeralgen hing dort ein Mondfisch so groß wie ein ausgewachsener Elch. Dieser gebärdete sich, als verdaute er gerade ein noch untotes Bowlingteam. Als hätte er meine eklige Beschreibung seiner Machenschaften gehört, erbrach der arme Fisch einen riesigen Gebirgszug, der auf Panzerketten auf das Land zu rollte und alles platt machte, was es noch nicht war.

Geistesgegenwärtig stopfte ich mein Handtuch in den Rucksack und erklomm, nur mit meinem Jutetanga und dem Rucksack bekleidet, den vorbeidröhnenden Gebirgszug.

Nach kurzer Zeit erreichte ich die Schneegrenze.

Da mir unterwegs der Hunger anheim fiel, beschloss ich, eine vorbeiwandernde Kleinfamilie auszunehmen, was sich wegen der Bewaffnung der kleinen als schwieriger herausstellte, als ich anfangs zu befürchten bereit imstande zu sein war.

Erfreulicherweise war die Kleinfamilie ortsansässig und der Vater Eigentümer einer Hüttendisco, die, wie er mir sorgenvoll mitteilte, nicht sehr angesagt war. Es stellte sich heraus, dass diese Hüttendisco mit Hüttenkäse gefüllt war, "der Authentizität wegen". Zum Bedauern des Eigentümers war in der Hüttendisco dann kein Platz mehr für Besucher. In einem Anflug von Hilfsbereitschaft verinnerlichte ich den Hüttenkäse und ersetzte ihn mit einem vorbeilaufenden Löcherkäse.

Da die diesem innewohnenden Löcher aber der Begeisterung des Discoinhabers verlustig gingen, schnitt er sie kurzerhand heraus. Von einem plötzlich auftretenden Hüttendiscobesuchervakuum motiviert strömten einige Hüttendiscobesucher in die freigewordenen Löcher und machten den Hüttendiscoinhaber kurzerhand reich. Da diese Hüttendiscobesucher gehörig strampelten, franste der Käse innerhalb der nächsten Monate gehörig aus und wurde zur bizarrsten Attraktion auf dem ganzen Gebirgszug. Das ist doch auch was wert! Ich denke, ich werde jetzt Unternehmensberater oder Eventmanager oder sowas.

Kommentare

Philipp
24.01.2007, 14.38 Uhr

Pizzar, mit viel Käse

Malte
24.01.2007, 16.18 Uhr

Der arme Elch.

Alena
15.02.2007, 13.45 Uhr

Wird Zeit fuer ne neue Story ;-)

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