Eingedenk

Studiengebühren-Reportage: Spindwohnen

Geschrieben am 06.02.2007, 10.56 Uhr
Kommentare:  11 | Tags: reportage studium

In ganz Münster wurden Studiengebühren eingeführt. Ganz Münster? Nein! Die Studenten einer kleinen Provinzhochschule (WWU Münster) leisten tapfer Widerstand gegen die Schergen des Schreckens. Das hält jedoch besonders sorgsame Studenten nicht ab, rechtzeitig die Konnivenzen zu ziehen. Eine unter Einsatz menschlichen Lebens recherchierte Fotoreportage über präventive Folgen finanzieller Maßnahmen.

Das ist der Philipp:

Philipp vor Spinden

Philipp studiert seit dem 17.Oktober 1984 Mathematik und schwarze Theologie an der WWU Münster. Weil dort eventuell bald möglicherweise Studiengebühren kommen könnten, lebt Philipp jetzt in diesem Spind. Klingt komisch, ist aber so.

Der kecke Mittvierziger ist mit dieser Maßnahme an seinem Fachbereich Pionier. Kostensparend und übersichtlich lebt er seit einigen Wochen direkt vorm Hörsaal und kommt seit dem nie mehr zu spät. Nur einmal, berichtet er, habe er fast eine Vorlesung versäumt. Beim Duschen habe er sich mit dem rechten Knie über dem linken Ohr verhakt. Das Ohr sei aber mittlerweile fast komplett verheilt, winkt er lässig ab. Man lernt das Leben in einer neuen Funktionalität und wird abgebrühter auf 0,17 Quadratmeter. Hier kann man gut sehen, wie er sich verrenken muss, um durch den Flur zu schlüpfen:

Philipp klettert in einen Spind

Inzwischen haben auch andere Studenten diesen Lebensstil und seine enormen Kostenvorteile für sich entdeckt. Die nette Nachbarin von nebenan (53) kommt gerade vom Einkauf und wird gleich zum Lernen in ihren Spind klettern:

Zwei an und in Spinden

Doch viel Platz ist in den praktischen Zellen wirklich nicht:

Ganz schön eng

Nichtmal einen DIN-A4-Block bekommt man vollständig aufgeschlagen, um so schwieriger ist es mit Bücherregal, Fahrrad und Privatjet. Lediglich eine übersichtliche Nasszelle und ein aufgeräumter Wohnbereich ohne Bett gehören zur Standardausstattung der Spinde am Fachbereich 10. Man muss sich eben an ideelle Werte halten um mit diesem Wohnklo glücklich zu werden, weiß zumindest dieser nette Untermieter von Philipp:

Der Untermieter

"Das schönste ist das morgendliche Ritual beim Erwachen. In diesen Spinden kann man sowieso nicht lange schlafen, besonders wenn im Spind nebenan Promovendenfeier ist. Aber früh morgens ist es in der Uni immer besonders still und friedlich. Ein Hochgenuss!"

Morgendliches Erwachen

Das ist doch auch was. Und wenn man sich mal überlegt, was diese pfiffigen jungen Läuse alles sparen (ein Spind kostet lediglich zwei Euro Pfand), ist man schnell überzeugt, dass sie auch in der Zukunft ein überlegtes und reiches Leben führen werden. Trotz Studiengebühren.

Kommentare

Herr Müller von der Vogelweide
06.02.2007, 11.08 Uhr

warum ist das nicht lustig? es ist ja nicht mal unterhaltsam.

Externer Beobachter
06.02.2007, 12.18 Uhr

Herr Müller: Sehr richtig, für die armen Studenten ist es sicher nicht lustig, plötzlich mit einer Halbierung ihres Wohnraumes leben zu müssen! Weiterhin haben Sie natürlich recht, der Unterhalt ist für diese Spindbewohner nun wesentlich geringer. Gut beobachtet!

reieRMeister
06.02.2007, 17.45 Uhr

Wenn ich mir das so betrachte, bin ich zufrieden, dass mein ehrwürdiger Mathelehrer es nicht geschafft hatte, mich zu einem Studium der Mathematik zu bewegen. Wer die Zustände hier in Berlin kennt, weiß, dass selbst Spinde nicht mehr zur Standardeinrichtung irgendeines Instituts gehören - vielleicht hätte ich ja noch einen Stehplatz in einem Mülleimer aus dem Kernphysiklabor bekommen.

Merke:
"Berlin: arm, aber sexy" (Wowereit)
Mahlzeit!

PS: Fragen Sie mich bloß nicht, was mein Kommentar eigentlich mit obigem Leitartikel aus der aktuellen Ausgabe "Living in a Schrank" zu tun hat - ich weiß es nicht.

Malte
07.02.2007, 01.42 Uhr

Sauerei! Der Philipp bekommt nen ganzen Schrank und ich nur nen dämlichen Briefkasten.. Und jeden Montag bekomm ich auch noch Blätter in meine Wohnung eingeworfen, die ich dann auch noch korrigieren darf.. Ich geh mich beschweren..

Danish Kirel
07.02.2007, 13.22 Uhr

Ich hab mit Kartoffelsäcken gute Erfahrungen gemacht: Die bringen gut was auf die Waage, sind aber leider sehr unhandlich.

Mirko Westermeier
07.02.2007, 15.10 Uhr

"Ich hab mit Kartoffelsäcken gute Erfahrungen gemacht" (Danish Kirel)

Ich möchte doch sehr bitten, derartige sexuelle Anspielungen in Zukunft durch sexuelle Konkretheiten zu ersetzen!

Vielen Dank.

reieRMeister
08.02.2007, 10.27 Uhr

Was hast du auf einmal gegen Kartoffeln, Mirko?

Mirko Westermeier
08.02.2007, 13.23 Uhr

Nichts wirksames, Mirko.

Sgt. Fresh
18.02.2007, 11.05 Uhr

Der Philipp spind ja.

Dansih Kirel
18.02.2007, 18.33 Uhr

Eigendlich skifährt er. Weiss aber ebend nicht jeder.

Malte
02.03.2007, 01.54 Uhr

Sind wir jetzt doch so spitzfindig. Gut. Merke ich mir das. Hab vorgestern (also Mittwoch abend) Tobias noch erklärt, was man naiverweiser als Mathematiker unter Kartoffelbildern versetht. Mit Säcken kenn ich mich nicht aus. Da möge man die Bauern fragen, die Kartoffeln oder ähnliches in selbige verpacken. Aber Bilder dieser Inhalte möge man doch verstehen. Verbindlichsten Gruß auch an die zyklische Gruppe.

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