Studiengebühren-Reportage: Spindwohnen
Das ist der Philipp:

Philipp studiert seit dem 17.Oktober 1984 Mathematik und schwarze Theologie an der WWU Münster. Weil dort eventuell bald möglicherweise Studiengebühren kommen könnten, lebt Philipp jetzt in diesem Spind. Klingt komisch, ist aber so.
Der kecke Mittvierziger ist mit dieser Maßnahme an seinem Fachbereich Pionier. Kostensparend und übersichtlich lebt er seit einigen Wochen direkt vorm Hörsaal und kommt seit dem nie mehr zu spät. Nur einmal, berichtet er, habe er fast eine Vorlesung versäumt. Beim Duschen habe er sich mit dem rechten Knie über dem linken Ohr verhakt. Das Ohr sei aber mittlerweile fast komplett verheilt, winkt er lässig ab. Man lernt das Leben in einer neuen Funktionalität und wird abgebrühter auf 0,17 Quadratmeter. Hier kann man gut sehen, wie er sich verrenken muss, um durch den Flur zu schlüpfen:

Inzwischen haben auch andere Studenten diesen Lebensstil und seine enormen Kostenvorteile für sich entdeckt. Die nette Nachbarin von nebenan (53) kommt gerade vom Einkauf und wird gleich zum Lernen in ihren Spind klettern:

Doch viel Platz ist in den praktischen Zellen wirklich nicht:

Nichtmal einen DIN-A4-Block bekommt man vollständig aufgeschlagen, um so schwieriger ist es mit Bücherregal, Fahrrad und Privatjet. Lediglich eine übersichtliche Nasszelle und ein aufgeräumter Wohnbereich ohne Bett gehören zur Standardausstattung der Spinde am Fachbereich 10. Man muss sich eben an ideelle Werte halten um mit diesem Wohnklo glücklich zu werden, weiß zumindest dieser nette Untermieter von Philipp:

"Das schönste ist das morgendliche Ritual beim Erwachen. In diesen Spinden kann man sowieso nicht lange schlafen, besonders wenn im Spind nebenan Promovendenfeier ist. Aber früh morgens ist es in der Uni immer besonders still und friedlich. Ein Hochgenuss!"

Das ist doch auch was. Und wenn man sich mal überlegt, was diese pfiffigen jungen Läuse alles sparen (ein Spind kostet lediglich zwei Euro Pfand), ist man schnell überzeugt, dass sie auch in der Zukunft ein überlegtes und reiches Leben führen werden. Trotz Studiengebühren.

Kommentare
06.02.2007, 11.08 Uhr
warum ist das nicht lustig? es ist ja nicht mal unterhaltsam.
06.02.2007, 12.18 Uhr
Herr Müller: Sehr richtig, für die armen Studenten ist es sicher nicht lustig, plötzlich mit einer Halbierung ihres Wohnraumes leben zu müssen! Weiterhin haben Sie natürlich recht, der Unterhalt ist für diese Spindbewohner nun wesentlich geringer. Gut beobachtet!
06.02.2007, 17.45 Uhr
Wenn ich mir das so betrachte, bin ich zufrieden, dass mein ehrwürdiger Mathelehrer es nicht geschafft hatte, mich zu einem Studium der Mathematik zu bewegen. Wer die Zustände hier in Berlin kennt, weiß, dass selbst Spinde nicht mehr zur Standardeinrichtung irgendeines Instituts gehören - vielleicht hätte ich ja noch einen Stehplatz in einem Mülleimer aus dem Kernphysiklabor bekommen.
Merke:
"Berlin: arm, aber sexy" (Wowereit)
Mahlzeit!
PS: Fragen Sie mich bloß nicht, was mein Kommentar eigentlich mit obigem Leitartikel aus der aktuellen Ausgabe "Living in a Schrank" zu tun hat - ich weiß es nicht.
07.02.2007, 01.42 Uhr
Sauerei! Der Philipp bekommt nen ganzen Schrank und ich nur nen dämlichen Briefkasten.. Und jeden Montag bekomm ich auch noch Blätter in meine Wohnung eingeworfen, die ich dann auch noch korrigieren darf.. Ich geh mich beschweren..
07.02.2007, 13.22 Uhr
Ich hab mit Kartoffelsäcken gute Erfahrungen gemacht: Die bringen gut was auf die Waage, sind aber leider sehr unhandlich.
07.02.2007, 15.10 Uhr
"Ich hab mit Kartoffelsäcken gute Erfahrungen gemacht" (Danish Kirel)
Ich möchte doch sehr bitten, derartige sexuelle Anspielungen in Zukunft durch sexuelle Konkretheiten zu ersetzen!
Vielen Dank.
08.02.2007, 10.27 Uhr
Was hast du auf einmal gegen Kartoffeln, Mirko?
08.02.2007, 13.23 Uhr
Nichts wirksames, Mirko.
18.02.2007, 11.05 Uhr
Der Philipp spind ja.
18.02.2007, 18.33 Uhr
Eigendlich skifährt er. Weiss aber ebend nicht jeder.
02.03.2007, 01.54 Uhr
Sind wir jetzt doch so spitzfindig. Gut. Merke ich mir das. Hab vorgestern (also Mittwoch abend) Tobias noch erklärt, was man naiverweiser als Mathematiker unter Kartoffelbildern versetht. Mit Säcken kenn ich mich nicht aus. Da möge man die Bauern fragen, die Kartoffeln oder ähnliches in selbige verpacken. Aber Bilder dieser Inhalte möge man doch verstehen. Verbindlichsten Gruß auch an die zyklische Gruppe.